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Jahrsetz, Dr. phil. Ingo Benjamin (D)

Ingo JahrsetzBiographie:

Psychotherapeutische Praxis in Freiburg.
Seminare und Ausbildung in Holotropem Atmen und Transpersonaler Psychologie.
Vorsitzender der Schule für Transpersonale Psychologie und Psychotherapie.
Ehrenvorsitzender des SEN (Spiritual Emergence Network) Deutschland.
Vorträge und wissenschaftliche Arbeiten.
Buchautor: Holotropes Atmen und Spiritualität. Stuttgart 1999.

Vortrag: Liebe – wenn die Evolution sich ihrer selbst bewusst wird

Warst du beim Urknall dabei?
Diese Frage mag Kopfschütteln bei den einen auslösen, mehr oder weniger ungläubiges Interesse bei anderen, Wissen bei wenigen.
Diese Frage behauptet, dass wir alle kosmische Wesen sind, ewig und im permanenten Wandel gleichermaßen. Unsere Körper reagieren nach den gleichen Gesetzen, die alle Formen des Universums hervorgebracht haben, Lebensformen sind nur ein Spezialfall von diesen. Unser Geist ist die kosmische Ordnung selbst, die sich permanent in jeder Veränderung ausdrückt. Und das Geheimnisvolle an allen Veränderungen ist ihre Kreativität.
Nichts ist beständig, alles verändert sich permanent. Dies ist eine alltägliche Erfahrung für jeden Menschen. Veränderungen geschehen nicht zufällig, sondern haben Ursachen und Wirkungen. Die ständige, immer sichtbare Veränderung aller Dinge ist evolutionär, eins bringt das andere hervor. Und – was uns die Tiefendimension der Psychotherapie lehrt: Wir gestalten sie selbst, wir sind die Evolution selbst.

Die Frage Warst du bein Urknall dabei mag zwischen harmlos und skurril eingestuft werden – interessanter wird es vielleicht für manchen, wenn ich frage: Warst du dabei als Prinzessin Diana starb? Warst du 2005 bei der Papstwahl von Ratzinger dabei1? Warst du dabei als in Deutschland 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde?
Ein Ja, aber … könnte die Frage auslösen: Warst du am 11.Sept.2001 dabei?
Interessant könnten auch die Fragen sein: Warst du bei deiner Zeugung dabei, bei deiner Hochzeit? Bist du dabei, wenn du abends einschläfst?
Ärger und Beklemmung könnte die Frage aufwerfen: Warst du bei der Reichskristallnacht 1938 dabei? Warst du in Auschwitz dabei?
Bist du im Irakkrieg, in Afghanistan dabei?
Nicht ganz einfach mag auch die Frage sein: Bist du jetzt im Augenblick dabei?
Wer diese Frage mit einem Ja beantworten kann, wird feststellen, dass Dabeisein nicht möglich ist ohne co-kreativ zu sein, kreativ mitzugestalten. Im Augenblick dabei zu sein, heißt den Augenblick zu gestalten.
Wer nun alle diese und ähnliche Fragen mit einem „Ja“ beantworten kann, die angenehmen wie die unangenehmen, wird vielleicht Erstaunliches wahrnehmen können: Er wird selbst verschwinden wie der Meister hinter seinem Kunstwerk; und die entstehende Leere wird überfließen in unendlichem Mitgefühl für alle Kreatur.
Vergebung auf dieser Ebene ist radikal und verliert das Moment von Gewalt, das ihr konventionellerweise noch immer innewohnt. Eine radikale Vergebung überwindet die Spaltung, die wir geschaffen haben zwischen dem Angenehmen und dem Unangenehmen. Sie ist die Brücke zwischen dem Guten und dem Bösen, und sie beendet den Krieg – innen wie außen.
Radikale Vergebung selbst löst sich auf und verschmilzt mit der Einsicht, dass das Angenehme wie das Unangenehme, Leiden wie Freude, gleich-wichtige Ausdrucksformen des Mysteriums der Evolution sind, die keinen Anfang hat und kein Ende, die jetzt stattfindet und dich versöhnt, mit dem, der du bist, mit der, die du bist – unendliche, bedingungslose Liebe.